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Gründung und Hintergrund des Vereins

Die Interkulturelle Initiative wurde 2001 gegründet. Das Konzept für das Interkulturelle Frauenhaus sind aus konkreten Erfahrungen in der Frauenhausarbeit und der Tätigkeit der
Projektinitiatorinnen in diesem Bereich entstanden. Schon in den 90er Jahren traf zu, was im Zusammenhang mit dem aktuellen Aktionsplan der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt
gegen Frauen festzustellen ist. Die Zufluchtseinrichtungen in Berlin werden zu 50 - 65 Prozent von Migrantinnen genutzt. Allerdings gibt es bundes- und berlinweit Frauenhäuser, in denen bis zu 80 Prozent der Bewohnerinnen Migrantinnen sind und dort erste Zuflucht vor Misshandlungssituationen finden.

Das Spezifische an der Situation von Migrantinnen in Gewaltbeziehungen ist der Umstand, dass sie nicht nur von den erfahrenen Misshandlungsbeziehungen durch Ehemann, Eltern, Bruder oder anderen Verwandten geprägt, sondern auch von gesellschaftlichen Bedingungen negativ beeinflusst sind, wie z. B.

  • unsicherem Aufenthaltsstatus und drohender Ausweisung,
  • geringen Chancen auf dem Arbeitsmarkt und auf Erteilung der Arbeitserlaubnis,
  • Rassismus und interkulturelle Differenzen,
  • Verständigungsschwierigkeiten,
  • schlechte bzw. keine medizinische und psychologische Versorgung,
  • bürokratische Willkür.

Neben den ohnehin schlimmen Folgen der erlebten Gewalt bedeutet dies für die betroffenen Frauen:

  • starke soziale Isolation,
  • psychische und rechtliche Abhängigkeit vom Ehepartner,
  • gesundheitliche Beschwerden,
  • psychosomatische Erkrankungen,
  • psychische Probleme (Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen u. v. m.)

Der hohe Anteil von Migrantinnen lässt aber nicht etwa den Rückschluss zu, dass Migrantinnen mehr von Gewalt in Beziehungen betroffen sind als deutsche Frauen. Sie haben vielmehr häufig keine andere Wahl als die Zuflucht in einem Frauenhaus, um sich aus der Gewaltbeziehung zu befreien.
Einerseits zeichnen sich bisherige Frauenhäuser dadurch aus, dass sie durch ihr niedrigschwelliges Angebot den Frauen helfen, der Misshandlungssituation zu entkommen, ohne sofort eine endgültige, eventuell existentielle Entscheidung über die weitere Perspektive treffen zu müssen. Andererseits erfordert die Situation von Migrantinnen jedoch oftmals diese Entscheidung. In vielen Fällen nämlich ist mit dem Verlassen der Misshandlungssituation der Aufenthaltsstatus der Frauen gefährdet. Die Besonderheiten der Situation von Migrantinnen und das defizitäre Angebot bestehender Strukturen sind es, die die damals in einem westberliner Frauenhaus tätigen Projektinitiatorinnen zur Gründung des Vereins Interkulturelle Initiative – Beratung, Schutz und Öffentlichkeitsarbeit für misshandelte Frauen und ihre Kinder e. V. motivierten.

Am 01. April 2001 eröffnet der Verein das erste Interkulturelle Frauenhaus. Kennzeichnen für das Projekt sind ein 3-stufiges Wohn- und Beratungsangebot sowie die interkulturelle Ausrichtung. Ein kleines Frauenhaus (25 Plätze) bietet die Möglichkeit, in einem vergleichsweise ruhigen Rahmen zur Ruhe zu kommen. Die Mitarbeiterinnen können sich konzentrierter auf die Erstberatung und die Situation der ankommenden Frau und ihrer Kinder einlassen. Die Schaffung eines Wohnprojektes für ebenfalls ca. 25 Frauen und Kinder ergänzt das klassische Frauenhauskonzept und trägt der Tatsache Rechnung, dass sich einige Frauen (insbesondere Migrantinnen) in den Frauenhäusern aufgrund ihrer komplexen Lebenssituation länger als zumutbar aufhalten müssten. Weil es nach der akuten Krisenintervention eine mittel- und längerfristigere Perspektive (Wohnprojekt) bis hin zur Nachsorge (Beratungsstelle) innerhalb des Projekts gibt, können Beratungen mit einer längerfristigeren Kontinuität durchgeführt werden.

So erhalten Migrantinnen und ihre Kinder eine angemessene Unterstützung und ein Hilfsangebot, das die genannten strukturellen Benachteiligungen berücksichtigt. Die interkulturelle Ausrichtung beeinflusst das Beratungs- und Betreuungsangebot, die Organisation des Zusammenlebens, die Teamzusammensetzung, die Arbeit mit den Kindern und schließlich die Öffentlichkeitsarbeit. Übergeordnetes Ziel des Vereins ist es dazu beizutragen, dass die gewaltbetroffenen Frauen unabhängig von ihrer Herkunft gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben und teilnehmen können. Daher treten wir dafür ein, dass das Recht der Frauen und ihrer Kinder aus Misshandlungssituationen auf einen sicheren und vom Ehegatten unabhängigen Aufenthaltsstatus gewährleistet wird. Schließlich wenden wir uns gegen die die Rechte der Frauen missachtende Zwangsverheiratung, den Frauenhandel und jegliche Diskriminierung und Rassismus.

 

 


Fachberatungs- und Interventionsstelle: (030) 80 19 59 80   •   Frauenhaus: (030) 80 10 80 50   •   Wohnprojekt: (030) 80 10 80 10